Späte Ehre für frühen Kämpfer

Erinnerung an einen mutigen Vorkämpfer für Menschenrechte: Bürgermeister-Stellvertreter Alois Nickel (links) und Pfarrer Fritz-Norbert Wenzler weihten am Sonntagabend den Anton-Praetorius-Platz vor der evangelischen Kirche in Laudenbach ein. Bild: Gutschalk

Laudenbach. Er ist der berühmteste Laudenbacher Pfarrer: Anton Praetorius, wie sich der 1560 im westfälischen Lippstadt geborene Sohn des Mattes Schultze nannte. Anlässlich der 450 Wiederkehr seines Geburtstages wurde der "Kämpfer gegen Hexenprozesse und Folter" jetzt auch Namensgeber eines Platzes. Zusammen mit Bürgermeister-Stellvertreter Alois Nickel enthüllte Pfarrer Fritz-Norbert Wenzler am Sonntagabend das Schild, das der Alten Dorfkirche jetzt einen Anton-Praetorius-Platz gibt.

Neuer Platz an der Kirche
Die Kirchengemeinde hatte den Einbruch der Dunkelheit abgewartet, um der Weihe zu vollziehen. Technisch war die im Handumdrehen erledigt. Bürgermeister-Stellvertreter Nickel stieg die paar Stufen einer Haushaltsleiter hinauf und befreite das von der Gemeinde gesponserte Schild von seiner Umhüllung. Darauf steht geschrieben: "Anton-Praetorius-Platz, Pfarrer und Schriftsteller in Laudenbach, Kämpfer gegen Hexenprozesse und Folter, geboren 1560, gestorben 1613."

Pfarrer Wenzler umriss in wenigen Worten die Bedeutung seines frühen Vorgängers, der von 1598 bis 1613 in Laudenbach als Geistlicher tätig war. Praetorius, zu dessen Ehren die evangelische Kirchengemeinde bereits 2002 einen Gedenkstein aufstellen ließ, habe sich öffentlich gegen Folter, Hexenprozesse und Hexenverbrennungen gestellt. Er habe von und gegen die Obrigkeit Menschlichkeit eingefordert in einer Zeit, die sehr grausam gewesen sei und damit eine neue Ära eingeleitet, sagte Wenzler. Mit seiner Schrift "Von Zauberey und Zauberern" habe Praetorius ein "bahnbrechendes Werk" geschrieben und Menschen vor dem Feuertod gerettet. Wenzler wies auch auf das schwere Lebensschicksal seines Vorgängers hin: Praetorius habe den Tod seiner Ehefrauen und vieler seiner Kinder erlebt. Sein einziger überlebender Sohn, der ebenfalls Theologie studiert hatte, sei mit 28 Jahren noch vor ihm gestorben. "Am Ende seines Lebens war Praetorius wohl ein gebrochener Mann", sagte Wenzler.

Vortrag über Praetorius
Die Platzeinweihung am Reformationstag war eingebettet in eine "Nacht der Offenen Kirche". Sie begann mit einem (verkürzten) Reformationsgottesdienst in der evangelischen Kirche, an dem knapp 150 Gläubige teilnahmen. Im Anschluss an die Platzweihe verköstigte die evangelischen Gemeinde ihre Gäste im anheimelnden Flammenschein einer auf dem Kirchenvorplatz aufgebauten Feuerschale mit heißem Fruchtsaft, Glühwein, Broten und Pizza. Im Anschluss ließ der Praetorius-Forscher Hartmut Hegeler in der Kirche das Leben von Anton Praetorius und die Zeit der Hexenprozesse in einem Power-Point-Präsentation Revue passieren. Die Kinder wurden in dieser Zeit von Reiner Diehlmann, Vorsitzenden des katholischen Pfarrgemeinderates, im Kirchgarten mit Geschichten von Hexen und Zauberern versorgt. Am späteren Abend machte sich Pfarrer Wenzler mit Jugendlichen zu einem Night-Cache ohne GPS-Gerät, aber mit Taschenlampen auf den Weg, um auf dem Kirchengelände die mit Reflektoren ausgestatteten Geheimverstecke seines berühmten Vorgängers zu finden. maz

Artikel vom: 02.11.2010 / WN


Letzte Änderung: Christian Hoffmann am: 03.11.2010 20:10 Uhr